Suche begrenzen auf:
zurücksetzen

Serviceorientierte Architektur

Warum sich ein komplexes IT-Grossprojekt bis heute bewährt.

Blogserie zu mehr Verkehrssicherheit und Verkehrsqualität (Teil 2/7).


Das Projekt «Integrierte Applikationen» legte bereits im Jahr 2014 die Grundlage für ein einheitliches und übergreifendes Verkehrs- und Baustellenmanagement auf den Schweizer Nationalstrassen. Der folgende Blogbeitrag soll die serviceorientierte Architektur aufzeigen und warum sich ein komplexes IT-Grossprojekt bis heute bewährt.

In unserer mehrteiligen Blogserie beleuchten wir die Entwicklung der Schweizer Nationalstrassen in Bezug auf die Systemarchitektur Schweiz (SA-CH) sowie das Verkehrsmanagement und zeigen dabei die Erfahrung von Eraneos in diesen Themen schrittweise auf. Im ersten Artikel dieser Blogserie haben wir die Systemarchitektur Schweiz (SA-CH) und deren Entstehung beleuchtet. Neben der Standardisierung der Streckensysteme und den dazugehörigen Schnittstellen bildeten die serviceorientierte Architektur (SOA) sowie die Management-Ebene mit den Fachapplikationen die wesentlichen Bausteine dieser SA-CH. Im Projekt «Integrierte Applikationen» wurden die in SA-CH konzipierte SOA sowie die beiden Fachapplikationen «Verkehrsmanagement» und «Baustellenmanagement» gemeinsam mit über 100 Projektbeteiligten realisiert – der Projekterfolg musste aber hart erkämpft werden.
Abbildung 1: Systemarchitektur Schweiz SA-CH

Die im Jahr 2008 gegründete Verkehrsmanagementzentrale Schweiz (VMZ-CH) übernahm mit ihrer Gründung unter anderem die Verantwortung für den effizienten Betrieb des Schweizer Nationalstrassennetzes. Gleichzeitig übernahm sie zahlreiche, teilweise sehr unterschiedliche Leitsysteme von den Kantonen. Es wurde rasch klar, dass auch auf Leitsystem-Ebene eine Standardisierung und Harmonisierung notwendig war. Einerseits liessen die kantonalen Systeme nur wenig bis kein interkantonales Verkehrsmanagement zu, andererseits waren auch die Funktionalitäten und Bedienoberflächen der einzelnen kantonalen Leitsysteme sehr unterschiedlich. Eine Vereinheitlichung der Systeme war dringend notwendig - die Idee der Systemarchitektur Schweiz (SA-CH) war geboren.

Über 100 Projektbeteiligte aus 7 Unternehmen stellen sich der Herausforderung

Eraneos Group konnte sich damals dank einer gewonnenen WTO Ausschreibung das Los für die Fachunterstützung im Projekt «Integrierte Applikationen» sichern. Im Auftrag des ASTRA war Eraneos verantwortlich für die Konzeption der einzelnen Bausteine von SA-CH – namentlich dem Basissystem (in Form einer serviceorientierten Architektur) sowie der beiden Fachapplikationen «Verkehrsmanagement» und «Baustellenmanagement». Auf Basis dieser Konzepte wurde ein Bündel an Pflichtenheften erarbeitet, welche als Grundlage für eine WTO Ausschreibung zur Beschaffung der Realisierungspartner diente.


Nach erfolgter Beschaffung der Partnerunternehmen und der Finalisierung der Realisierungspflichtenhefte ging es unter Federführung von ELCA an die Realisierung der Fachapplikationen. Im Gesamtprojekt übernahm Eraneos die stellvertretende Gesamtprojektleitung und die Leitung der vier Teilprojekte «Basissystem», «Applikation und Umsysteme», «Betrieb» sowie «Einführung & Ausbildung». Zudem verantwortete Eraneos als Fachunterstützung die Gesamtarchitektur, die IT-Sicherheit, das Prüf- und Testmanagement, das Configuration & Change Management sowie die Qualitätssicherung. Das Gesamtprojekt folgte der HERMES Projektmanagement-Methodik, während die Fachapplikationen nach der damals noch recht jungen agilen Projektmanagement-Methodik SCRUM entwickelt wurden. Zu Spitzenzeiten arbeiteten bis zu 100 Projektmitarbeitende parallel an diesem Grossprojekt.

Abbildung 2: Hauptfunktionalitäten der neuen Fachapplikation
Zahlreiche Funktionalitäten bilden die Basis für ein umfassendes Verkehrsmanagement

Ein umfassendes Verkehrsmanagement benötigt viele Funktionalitäten und vor allem eine grosse Anzahl an Daten und Informationen aus unterschiedlichen Quellen. Die verschiedenen Funktionalitäten (siehe Abbildung 2) wurden parallel von den verschiedenen Realisierungspartnern entwickelt. Die grosse Herausforderung in diesem Projekt bestand daher in der Synchronisation der Partner und deren Entwicklungsarbeiten sowie der Integration der verschiedenen Bausteine in eine einzige Lösung.


Aufgrund der zahlreichen Beteiligten sowie der hohen Komplexität des Vorhabens wurde das Projektteam, wie in grossen IT-Projekten üblich, vor zahlreiche Herausforderungen gestellt. Festpreise beziehungsweise vordefinierte Kostendächer erforderten ein striktes Änderungsmanagement, die unterschiedlichen Ressourcensituationen bei den Realisierungspartnern eine hohe Flexibilität. So musste das Projekt nach etwa einem Drittel der Realisierungszeitdauer für drei Monate unterbrochen und neu geplant werden, um die verschiedenen Partner zu synchronisieren und deren Bausteine sauber zu integrieren. Eine Zeit mit intensiven Diskussionen und Verhandlungen, aber auch hoher Kompromissbereitschaft und starkem Teamgeist.  

Abbildung 3: Nutzen der Fachapplikation Verkehrsmanagement
Der frühgeplante Go-Live Termin

Parallel zur Realisierung der beiden Fachapplikationen durften über 700 Mitarbeitende beim ASTRA, den Kantonen und den Gebietseinheiten in drei Sprachen in der Anwendung der neuen Fachapplikationen ausgebildet werden. Dazu war eine strikte Einhaltung der Terminplanung und des Go-Live Termins unumgänglich. Trotz zahlreichen Herausforderungen bei der Integration der Komponenten, der Performance des Systems und der Fertigstellung aller versprochenen Funktionalitäten konnte der Go-Live Termin fristgerecht eingehalten- und die Fachapplikationen termingerecht in Betrieb genommen werden.


Zumal die Fachapplikationen auch heute nach über acht Jahren noch genutzt werden, zeigt, dass die im Projekt erarbeiteten Konzepte und getroffenen Entscheide richtig und nachhaltig waren. Seit Mai 2014 sind beide Fachapplikationen in Betrieb und wurden über die Jahre hinweg stetig weiterentwickelt. Der versprochenen Nutzen konnten im Laufe der letzten 10 Jahre grösstenteils realisiert werden.

Fazit

Grosse IT-Projekte – insbesondere mit mehreren Realisierungspartnern – stellen immer eine grosse Herausforderung dar. Viele Projekte verzögern sich oder müssen gänzlich abgebrochen werden. Im Fall der beiden Fachapplikationen «Verkehrsmanagement» und «Baustellenmanagement» benötigte es bei allen Parteien den Dialog auf Augenhöhe, Kompromissbereitschaft, aber auch klare Priorisierungen und teilweise konsequente Entscheidungen.

Wie im vorangegangenen Artikel unserer Blogserie beschrieben, waren auch in diesem Vorhaben das Stakeholdermanagement und die Kommunikation im Projekt mitentscheidend für den Projekterfolg. Letztendlich gewinnen bei einer erfolgreichen Einführung alle Parteien – allem voran der Kunde und die Anwender*innen der neuen Lösungen sowie auch die Realisierungspartner, die sich dank einer kooperativen Zusammenarbeit für weitere IT-Grossprojekte empfehlen können.

Lesen Sie mehr

Wie das Risiko einer neuen Systemarchitektur minimiert werden kann

Blogserie zu mehr Verkehrssicherheit und Verkehrsqualität (1/2)

Auf dem Weg zu einheitlichen Betriebs- und Sicherheitsausrüstungen (BSA) auf dem Nationalstrassennetz.


Übersicht über die Signalisierung von vier Kantonen

Blogserie zu mehr Verkehrssicherheit und Verkehrsqualität (3/7)

Eine einheitliche Bedienung für alle Verkehrsleitsysteme der Gebietseinheit Zentras.


Wie reduziert man den Stau ohne Ausbau des Nationalstrassennetzes?

Blogserie zu mehr Verkehrssicherheit und Verkehrsqualität (4/7)


Wir verwenden Cookies, um Ihnen ein optimales Nutzererlebnis zu bieten. Durch die weitere Nutzung unserer Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Konsultieren Sie bitte unsere Datenschutzerklärung, falls Sie mehr darüber erfahren möchten.